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Newsletter zum Filmkunst-Programm vom 30.1.2020 bis 5.2.2020

 

Liebes Lichtwerk- und Kamera-Publikum!

Die Oscar-nominierten Filme sind alle in deutschen Kinos zu sehen. Schauen wir allerdings mal auf die deutschen Filme und ihre Nominierungen durch die deutsche Filmkritik, so müssen wir konstatieren, dass die von den Kritikern nominierten Werke in den deutschen Kinos unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen. Wenn überhaupt. Selbst in Bielefeld waren von den nominierten besten Spielfilmen „Frau Stern“ (Regie: Anatol Schuster), „Ich war zuhause, aber…“ (Regie: Angela Schanelec), „Lara“ (Regie: Jan Ole Gerster), „Vakuum“ (Regie: Christine Repond) lediglich „Lara“ zu sehen. Von den besten Spielfilmdebuts „Golden Twenties“ (Regie: Sophie Kluge), „Liebesfilm“ (Regie: Robert Bohrer & Emma Rosa Simon), „Mein Ende. Dein Anfang“ (Regie: Mariko Minoguchi), „Das melancholische Mädchen“ (Regie: Susanne Heinrich), „Systemsprenger“ (Regie: Nora Fingscheidt), „Wintermärchen“ (Regie: Jan Bonny) lief „Systemsprenger“ und das sehr erfolgreich. Die beste Musik war bei „Der Goldene Handschuh“ bei uns zu hören und auch The Notwist mit der Musik zu Sebastian Schippers „Roads“ (ohne großen Publikumszuspruch). Von den nominierten Dokumentationen war keine einzige bei uns im Kino. Wenigstens waren alle nominierten Kinderfilme vertreten.

Woran liegt diese Diskrepanz? Am elitären Geschmack der Filmkritiker? Am mangelnden Werbebudget deutscher Filme, die nicht von und mit Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer sind? An uninteressanten Themen oder Drehbüchern, die nicht auf Erfolgsromanen beruhen? An der Anzahl der Filmtitel, die in Lichtwerk und Kamera zu sehen waren, kann es nicht liegen. Denn das waren im Jahre 2019 über 300 deutsche und internationale Filme. Wir wünschen den „übersehenen“ Filmen auf jeden Fall Erfolg und sei es im DVD- oder Streaming-Bereich. Und vielleicht hilft ja der Preis der deutschen Filmkritik!

 

Mit nominierten Grüßen

verbleiben die Filmkritiker aus Filmhaus, Lichtwerk und Kamera

 

Alle Filme und Termine im Lichtwerk www.lichtwerkkino.de  

Alle Filme und Termine in der Kamera www.kamera-filmkunst.de

 

Das sind unsere Neustarts in KAMERA und LICHTWERK in dieser Kinowoche:

 

DIE KUNST DER NÄCHSTENLIEBE / Kamera

Eine 50-jährige Frau hilft anderen Menschen, vor allem Flüchtlingen und sozial Entrechteten, wo sie kann – ungeachtet aller familiärer und beruflicher Konflikte. Als sie auf die Idee kommt, ihre Schüler im Sozialzentrum auf Kosten des Staats zu einer Fahrschule zu schicken, droht ihr Engagement aus dem Ruder zu laufen. Eine Tragikomödie mit burlesken, melodramatischen und sarkastischen Intermezzi, klug komponiert und von Agnès Jaoui in der Hauptrolle mit allen Ambivalenzen brillant gespielt. Leider wird die Fallhöhe der Figur im Finale zugunsten eines allzu glatten Schlusses aufgegeben. - Sehenswert ab 12. (Filmdienst)

 

LITTLE WOMEN / Lichtwerk

Die vier March-Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth ringen Mitte des 19. Jahrhunderts in der von patriarchalen Geschlechterrollen bestimmten Gesellschaft der Vereinigten Staaten mit ihren eigenen Wünschen nach künstlerischem Ausdruck und persönlichem Glück. Einfallsreiche Neuverfilmung des bekannten Jugendromans von Louisa May Alcott durch die Regisseurin und Schauspielerin Greta Gerwig. Ähnlich wie Alcott, die sich seinerzeit den Forderungen des Literaturmarkts beugen musste, manövriert auch „Little Women“ geschickt zwischen den Ansprüchen an einen publikumstauglichen Studiofilm und einer Relektüre, in der Gerwigs Autorinnenstimme Gehör findet. - Ab 14. (Filmdienst)

 

SORRY WE MISSED YOU / Kamera

Eine Arbeiterfamilie aus Newcastle droht am Druck neoliberaler Arbeitsverhältnisse zu zerbrechen: Der Mann fängt als selbstständiger Bote bei einem Paketservice an; die Illusion unternehmerischer Freiheit zerbricht allerdings schnell an den unfairen und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Diese wirken sich bald auch auf seine gesamte Familie aus. Das Drama über die falschen Versprechen der neoliberalen Arbeitswelt und die Folgen der Selbstausbeutung für die Betroffenen ist in seiner Gesellschaftskritik etwas schlicht; äußerst treffend ist es gleichwohl durch die Einfühlsamkeit seiner Figurenzeichnung und der Erosion des Zusammenhalts in einer Familie. - Sehenswert ab 14. (Filmdienst)

 

EIN VERBORGENES LEBEN / Lichtwerk

Anfang der 1940er-Jahre gerät der tiefgläubige oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter in einen Gewissenskonflikt, als er für die Nationalsozialisten in den Krieg ziehen soll. Trotz aller Anfeindungen in seinem Dorf verweigert er den Eid auf Hitler und wird 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Der US-amerikanische Filmemacher Terrence Malick eignet sich diesen historischen Stoff in seiner unverwechselbaren Weise an und verwebt ihn zu einem leisen und bewegenden Bekenntnis für eine Ethik des Widerstands und des reinen Gewissens. Die zelebrierte Dorfidylle der Friedenszeit bewegt sich dabei zwar nahe am Bergkitsch, unterstreicht aber letztlich stimmig die Darstellung eines vom Bösen zerstörten Paradieses. - Sehenswert ab 16. (Filmdienst)

 

Einmaltermine:

 

ALS DER JAGUAR NACH HERFORD KAM / Kamera (12.2.)

DEUTSCHSTUNDE / Lichtwerk

JUDY / Kamera

MOTHERLESS BROOKLYN / Kamera

PARASITE / Kamera

THE PEANUT BUTTER FALCON / Lichtwerk

SYSTEMSPRENGER / Kamera

WEATHERING WITH YOU / Kamera

 

Weiter im Programm:

 

1917 / Kamera

An der Westfront des Ersten Weltkriegs bekommen zwei junge britische Soldaten eine brandgefährliche Mission: Sie sollen sich zu einer Einheit ganz vorn an der Front durchschlagen und einen Befehl überbringen, von dem das Überleben der Einheit abhängt. Gemeinsam machen sich die Männer auf durch den Horror der Schützengräben und Schlachtfelder. Ein suggestives Kriegsdrama, das sich ganz auf die Perspektive seiner Hauptfiguren fokussiert und so inszeniert ist, dass der Film wirkt, als wäre er in einer einzigen Einstellung abgedreht. Die technische Brillanz, mit der diese Prämisse umgesetzt ist, springt mitunter so ins Auge, dass die formale Umsetzung den Inhalt zu dominieren droht; nichtsdestotrotz gelingt alles in allem ein ungemein fesselnder Kriegsfilm jenseits simpler Klischees und ein existentielles Drama über Menschen in Todesgefahr. - Sehenswert ab 14. (Filmdienst)

 

ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL / Lichtwerk

1933 flieht eine Neunjährige mit ihrer jüdischen Familie vor dem NS-Regime aus Berlin. Während die Eltern erst in der Schweiz und später in Frankreich mit Sorge die politischen Ereignisse verfolgen, lernen die Kinder andere Sprachen und neue Regeln, suchen nach Geborgenheit und müssen doch immer wieder Abschied nehmen. Ohne klischeehafte Bilder erzählt die Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs von den ersten Jahren des NS-Regimes, Antisemitismus, Flucht und Vertreibung. Bemerkenswert ist sowohl der stetige Wechsel zwischen Betrübtheit und Lebensfreude als auch die Erzählperspektive: Durch ein Kind im Mittelpunkt öffnet sich das komplexe Themenfeld sensibel auch für ein junges Publikum. - Sehenswert ab 10. (Filmdienst)

 

DAS GEHEIME LEBEN DER BÄUME / Kamera

Basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von Peter Wohlleben beleuchtet der Film das „Sozialleben“ der Bäume als Lebewesen, die in Kooperation und Kommunikation mit Artgenossen und Umwelt existieren. Dabei widmet sich der Film einerseits der eindrucksvollen Bebilderung des Beziehungsnetzwerks der Bäume, andererseits begleitet er den Förster und Autor Wohlleben, der erklärend in die Ökosphäre Wald einführt und auch auf die Gefahren hinweist, die ihr durch den Menschen drohen. Dabei formuliert sich eine vehemente Kritik an der herkömmlichen Forstwirtschaft und allgemeiner an einer menschlichen Einstellung, die Bäume lediglich als Ressourcen ansieht. - Sehenswert ab 12. (Filmdienst)

 

JOJO RABBIT / Kamera

Zwischen ausgelassenem Klamauk und zarter Wahrhaftigkeit erzählt Taika Waititi die Coming-of-Age-Geschichte eines zehnjährigen Jungen in einer fiktiven deutschen Kleinstadt in den letzten Monaten des „Dritten Reiches“. Im Ringen um Orientierung zwischen einem imaginären väterlichen Freund namens Adolf Hitler und einem jüdischen Mädchen, reift Jojo zu einem lebensklugen jungen Menschen. (epd film)

 

KNIVES OUT / Lichtwerk

Ein ebenso reicher wie unbeliebter Familienpatriarch ist an seinem 85. Geburtstag ermordet worden. Als Täter kommen nur die anwesenden Verwandten oder die Hausangestellte in Betracht. Obwohl sich die Festgäste nicht als besonders kooperativ erweisen, befördern die Ermittlungen schnell eine Fülle denkbarer Motive an den Tag. Die turbulente Kriminalkomödie entwickelt auf bewährten Whodunit-Pfaden eine vergnügliche Tätersuche, bei der insbesondere die Lust des illustren Darsteller-Ensembles am kostümierten Overacting für sich einnimmt.

 

LINDERNBERG! MACH DEIN DING! / Lichtwerk

Eine Filmbiografie über die Jugend und ersten Karrierejahre des Musikers Udo Lindenberg, der 1946 im westfälischen Gronau geboren wird und in den 1960er-Jahren gegen jeden gegenteiligen Rat beginnt, mit deutschen Texten zum Rockstar zu werden. Der Film ist in seiner mosaikartigen, um diverse, wiederkehrende Sujets und Themen kreisenden Machart eigenwillig, entwickelt als einfühlsames Biopic wie als mitreißender Musikfilm mit überzeugendem Hauptdarsteller aber große Sogkraft. Die mäandernde Erzählweise lässt dabei Zeit zum Durchatmen, für die Musik und für die präzise Ausmalung von Stimmungen. - Ab 14. (Filmdienst)

 

DAS VORSPIEL / Lichtwerk

Eine Geigenlehrerin an einem renommierten Berliner Konservatorium pflegt einen strengen und fordernden Umgang mit ihren Schülern und zeigt eine ähnliche Dominanz auch gegenüber ihrem eigenen Sohn. Kompromisslos setzt sie sich auch für einen talentierten jungen Geiger ein, gefährdet durch ihren Ehrgeiz aber die eigene Position wie auch ihre Stabilität. Facettenreiches, fein beobachtetes Charakterdrama, das anhand seiner vielschichtig interpretierten Hauptfigur die Abhängigkeitsmuster von Kunst, Disziplin und Gewalt auslotet. Die dargestellten autoritären Formen stellt der Film dabei mit kluger Ambivalenz dar. - Sehenswert ab 16. (Filmdienst)

 

DIE WÜTENDEN – LES MISÉRABLES / Lichtwerk und Kamera

Ein Polizist stößt neu zu einem Duo hinzu, das in einem Pariser Vorort Streife fährt, und wird schon am ersten Einsatztag mit den dortigen Machtverhältnissen konfrontiert, an denen seine neuen Kollegen durch Gewalt, Schikanen und Korruption regen Anteil haben. Als ein Löwenjunges aus einem Zirkus von einem Jugendlichen gestohlen wird, droht das fragile Interessengleichgewicht im Viertel zu kippen, umso mehr als die Polizisten bei der eskalierenden Festsetzung des Diebs gefilmt werden. Ein meisterlich inszenierter Film über die explosive Gemengelage an Fronten und Fraktionen in den französischen Banlieues. Ohne einseitige Schuldzuschreibungen greift das fein gezeichnete Drama brandaktuelle gesellschaftliche Strömungen auf und sensibilisiert eindrücklich für die unkalkulierbaren Gefahren, die aus jeglicher Form der Ausgrenzung erwachsen. - Sehenswert ab 16. (Filmdienst)

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Lichtwerk Filmtheater Betriebs GmbH, Ravensberger Park 7, 33607 Bielefeld, Handelsregister Amtsgericht Bielefeld HRB 38232
Geschäftsführer: Jürgen Hillmer

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