Pottoriginale ROADMOVIE

Eine Herner Legende geht so: ein Kohlenhändler aus Wanne-Eickel machte später in Tankstellen und damit so viel Knete, dass ihn 1974 ein Vorstandsmitglied von Westfalia Herne fragte, ob er nicht Laune hätte, das Stadion des frisch in die Verbandsliga abgestiegenen Traditionsvereins wieder voll zu bekommen. Erhard Goldbach zögerte für einen Moment, sagte dann zu und pumpte anschließend so viel Geld in den Verein, dass der wiederaufstieg und am Tor zur ersten Liga kratzte, woraufhin sich Herr Goldbach 1977 dachte, dass es jetzt eine gute Idee wäre, den Verein in SC Westfalia 0404 Goldin Herne umzubenennen. Zwei Jahre später war Goldbach ein Steuersünder und Westfalia bald pleite. Herne verschwand in der Oberliga, insgesamt 346 Millionen Mark im Niemandsland. Goldbach kam in den Knast. Das Geld wurde nie gefunden.

Bis jetzt.

Warum heißt der Tankwart a.D. eigentlich Tankwart? Weil er mal Tankwart gewesen sein muss. Genauer gesagt: in einer der über 260 Tankstellen von Branchenprimus Goldin. Damals, als Tiger Gerland, Tenhagen und Woelk den VfL verteidigten und Jochen Abel die Hütten machte. Im Frühjahr 2017 ist der Tankwart längst außer Dienst, aber sein VfL besser wie je zuvor: das Auswärtsspiel gegen die Zecken aus Dortmund wird mit 4:0 gewonnen. Im Manta von VfL Jesus, die Sitze natürlich aus Leder, geht auch diese Auswärtsfahrt zu Ende. An der Theke von Horst seinen Imbiss Express gönnt sich das originale Napalm-Duo noch eine Scheide-Curry´. Schade, denkt der Tankwart, dass der Manta von Jesus keine Glastüren hat. Warum, denkt Jesus, gibt es bei Horst keine Currywurst blau-weiß? Im Radio die vertraute Stimme von Klaus Fiehe. Auch Bochumer, guter Mann, sagt der Tankwart. Dann spitzt er die Ohren: Westfalia Herne ist wieder aufgestiegen – und soll endlich einen neuen Rasen bekommen. Seit Ende der Siebziger spielt der Klub auf dem alten Grün. Da fällt dem Tankwart plötzlich wieder alles wieder ein. Wie der alte Goldbach damals auf der Firmenfeier morgens um drei, voll wie ein Brauereipferd, von den Millionen gesprochen hatte. Und wo er sie versteckt hatte. Eine geniale Idee, hatte der Tankwart damals gedacht. Und die Sache dann irgendwann vergessen. Zu viel VfL, zu viel Fiege.

Der Tankwart a.D. erzählt die Sache seinem Kumpel. Gäbe es einen besseren Komplizen als Jesus? Schon in der nächsten Nacht sind die Pott-Originale mit Schaufel und Spaten im Herner Mittelkreis. Und finden tatsächlich das Geld. So viel Kohle. Nur leider ist die DM keinen Heller mehr wert. Was unseren Helden egal ist, sie stürzen sich in eine wilde Nacht voller Sex, Party, Kokain und Adele…

Der Erfolg seiner „Pott-Originale“ ist dem Bochumer Fotograf und Filmemacher Gerrit Starczewski offenbar zu Kopf gestiegen. Denn diese Idee ist seine und geht so weiter: Tankwart und Jesus geraten an den windigen Club-Besitzer Nobby (Uwe Fellensiek in der zweitbesten Rolle seines Lebens), der ihnen die Kohle abnimmt und mit Koks bezahlt, das doch nur Traubenzucker ist. Zwischen allerlei Lach- und Fick-Geschichten verticken Tankwart und Jesus ihr Pulver auf den Straßen des Ruhrgebiets, Geld und Drogenruhm steigen den VfL-Fans zu Kopf. Der Tankwart lässt sich beim noblen Herrenausstatter Anthony (Anthony Arndt) gar einen schicken Anzug an den Körper schneidern und gibt dafür seine geliebte Kutte ab. So viel verlorene Bodenhaftung kann nur einen schmerzhaften Abstieg bedeuten und der erfolgt spektakulär. Autorennen Kadett gegen Manta, Schlägereien auf der Cranger-Kirmes, gebrochene Herzen, durchzechte Nächte, verrückte Figuren wie Schalke-Johnny, Rocker-Klaus (Rocker-Legende Klaus Hüpper), Zechen-Boss Hugo (DJ Hell) und Gestalten, die es so nur beim Fußball gibt.

Eine Mischung aus Manta Manta, Bang Boom Bang, diversen Auswärtsfahrten mit dem VfL Bochum und improvisiertem Wahnsinn. Pott Originale – Roadmovie ist eine Liebeserklärung an die unglaublichen Geschichten und Typen, die so vielleicht nur im Ruhrgebiet und beim Fußball zu finden sind. Und ein durch und durch verrücktes Machwerk von einem, dem diese Typen und Geschichten so ans Herz gewachsen sind.

Buch und Regie : Gerrit Starczewski Kamera- Björn Henke Schnitt: Patrick Rönsch Color-Grading : Christoph Hanisch Regieassistenz: Thias Teuwen Set-Foto: Tim Kramer Cast: Tankwart a.D. / VfL Jesus / Uwe Fellensiek / Klaus Fiehe / Anthony Arndt / Rene Frauenkron / Klaus Hüpper / DJ Hell

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AB 18 JAHREN / 125 MINUTEN