Lichtwerk-Newsletter 15.10.2009
Lichtwerk-Programm vom 15.10. bis 21.10.2009
Lichtwerk im Ravensberger Park
Ravensberger Park 7
Kartenreservierung: www.lichtwerkkino.de/opts/reservierungen.html od. 5576777
Liebes Lichtwerk-Publikum!
Selten polarisierte in der letzten Zeit ein Film so sehr wie LARS VON TRIERS ANTICHRIST. Einige waren schon bedient, weil von Trier sich ungehemmt selbst als weltbesten Regisseur lobt. Andere hassen ihn, weil er mit „Dogma“ dem verwackelten Videobild die Kinosäle öffnete. Bei Björk-Fans hat Trier wegen seelischer Grausamkeit vergeigt und DOGVILLE wurde als visuelle Unterforderung geschmäht. Nun wird von Trier mit ANTICHRIST allen Ernstes Frauenfeindlichkeit und damit zusammenhängend Sympathie für die Hexenverfolgung unterstellt. Manche verwechseln die Fabel mit der Intention und glauben ernsthaft, der Regisseur sehe in der Klitorisentfernung die Erlösung allen Übels. Wieder andere halten das therapeutische Vorgehen der männlichen Hauptfigur für nervig und aufgesetzt und identifizieren in ihrer Kritik den Regisseur als allwissenden Therapeuten. Enttäuscht zeigen sich die Fans des Horror-, Fantasy- und Pornofilms, denn dieser Film kann trotz der Schmähungen seitens der Kritik in diesen Kategorien keinesfalls überzeugen. (Ein durchbohrtes Bein, ein sprechender Fuchs und ein blutiger Pimmel: da hat man woanders schon Reichhaltigeres gesehen.) Christen ärgern sich über die Umkehrung der Schöpfungsgeschichte, die Ermordung Evas durch Adam und das massenhafte Betreten des Gartens Eden durch untote Hexen…
Um dem Wirrwarr Einhalt zu gebieten und das regierende Chaos zu ordnen, sprechen wir hier eine Empfehlung aus: wer nach dem Film Lust hat, auch noch tage- und wochenlang über die Themen des Films, seine Machart und Wirkung nachzudenken und zu diskutieren, sollte diesen fruchtbaren Film auf keinen Fall verpassen. Das Kino braucht provokante Filme wie ANTICHRIST und besessene Sinnsucher wie Lars von Trier. (Christliche) Erlösung gibt es woanders, Blindenhunde ebenfalls. Filmkritik: www.kultur-online.net/?q=node/9493
Mit erlösenden Grüßen
verbleiben die Filmhexen aus dem Lichtwerk
P.S.: Wer sich von religiösen Modellen verabschiedet hat, sei beglückwünscht. Dennoch sollten aufgeklärte Gemüter fragen, weshalb die meisten Wähler in Deutschland einer politischen Partei Glauben schenken, die mit Christus wirbt.
Alle Infos zum Lichtwerk-Programm: www.lichtwerkkino.de
Alle Infos zum Kamera-Programm: www.kamera-filmkunst.de
Alle Infos zum Filmhaus: www.filmhaus-bielefeld.de
Unsere Filme im LICHTWERK:
COCO CHANEL Sa 14.30 Uhr
INGLOURIOUS BASTERDS (OmU) tgl. 21.30 Uhr
IT MIGHT GET LOUD tgl. 19.30 Uhr
SLUMDOG MILLIONÄR So 14.00 Uhr
TAKING WOODSTOCK So 13.00 Uhr
UNTER BAUERN tgl. 19.00 Uhr, Do bis Sa auch 16.45 Uhr
VERBLENDUNG tgl. 21.00 Uhr, So auch 16.00 Uhr, Di bis Mi auch 16.30 Uhr
DAS WEISSE BAND tgl. ausser So 17.30 & 20.30 Uhr, So auch 18.00 Uhr
WILLKOMMEN BEI DEN SCH'TIS So 12.30 Uhr
Kinderkino:
KINDERFILMFEST „Ich sehe was, was Du nicht siehst“
Das komplette Programm: www.lichtwerkkino.de/kinderkino/kinderfilmfest-2009.html
Unsere Filme in der KAMERA:
ANTICHRIST tgl. 21.30 Uhr
AWAY WE GO (Sam Mendes) tgl. 18.30 & 20.30 Uhr
GIGANTE tgl. 17.30 und 19.30 Uhr
LOUISE HIRES A CONTRACT KILLER tgl. 21.15 Uhr
VISION – AUS DEM LEBEN DER HILDEGARD VON BINGEN tgl. 16.30 & 19.00 Uhr
WHISKY MIT WODKA Fr bis So 16.00 Uhr
Geplant in LICHTWERK und KAMERA:
(500) DAYS OF SUMMER (ab 22.10.)
DIE BUCHT (ab 22.10.)
DIE PÄPSTIN (ab 22.10.)
DIE STANDESBEAMTIN (ab 29.10)
EINE PERLE EWIGKEIT (ab 5.11.)
Neu im Lichtwerk:
IT MIGHT GET LOUD
Dokumentarfilm über die Musiker Jimmy Page (Led Zeppelin), The Edge (U2) und Jack White (The White Stripes) und ihr jeweiliges Verhältnis zur E-Gitarre als prägendes Instrument der Rock-Musik. Die Künstler, die einzeln porträtiert und bei einer Jam-Session zusammen geführt werden, repräsentieren nicht nur drei unterschiedliche Generationen, sondern auch unterschiedliche stilistische Auffassungen; im Zeitalter der digitalen Musik scheint sie indes mehr zu verbinden als zu trennen. Die nostalgische Hommage an den Rock versammelt seltene Aufnahmen, persönliche Erinnerungen sowie mitreißende Konzertmitschnitte und gewährt interessante Einblicke in die Beziehung der Musiker zu ihrem Instrument und in die Entwicklung der verschiedenen musikalischen Tonfälle. (filmdienst)
UNTER BAUERN
Ein jüdischer Pferdehändler flieht 1943 kurz vor dem Abtransport in die Todesfabriken im Osten mit Frau und Tochter aufs Land, wo sie bei einem Bauern im Münsterland unterkommen. Beide Männer verbindet eine Kameradschaft, die bis in die Schützengräber des Ersten Weltkriegs zurückreicht. Isoliert von der Außenwelt, überlebt die Familie in Kammern und auf Dachböden wechselnder Höfe. Geradlinig entwickeltes, mit psychologisch klugen Momentaufnahmen angereichertes Drama nach authentischen Erinnerungen. (filmdienst)
DAS WEISSE BAND (Michael Haneke)
Ein Dorf im Nordosten Deutschlands wird 1913/14 von rätselhaften Zwischenfällen heimgesucht. Rückschauend erinnert sich der Lehrer in einer chronikhaften Off-Erzählung an die gewaltsamen Vorkommnisse, deren Hintergründe nie geklärt werden. In konzentrierten Schwarz-Weiß-Bildern entwirft Michael Haneke mit großer erzählerischer Meisterschaft das Bild eines gespenstischen Mikrokosmos, der so sehr auf Abhängigkeit, Angst und Unterwerfung gebaut ist, dass der Ausbruch des Ersten Weltkriegs wie ein Ventil erscheint. Ein visuell und inszenatorisch bestechendes Drama über die Genese einer autoritätshörigen Gesellschaft aus dem Geist preußisch-protestantischer Untugenden. - Sehenswert ab 16. (filmdienst)
VERBLENDUNG
Verfilmung eines Krimi-Bestsellers von Stieg Larsson. Ein Journalist, der wegen einer Verleumdungsklage demnächst eine Haftstrafe antreten muss und vorübergehend beurlaubt wurde, wird von einem Industriemagnaten auf dessen vor Jahren verschwundene Nichte angesetzt. Im Zuge seiner Recherchen, bei denen der Journalist von einer Computerhackerin unterstützt wird, deckt er familiäre Abgründe auf.
Neu in der Kamera:
ANTICHRIST
Eine Mann und eine Frau ziehen sich nach dem Unfalltod ihres kleinen Sohns in ein "Eden" genanntes Holzhaus in einem abgelegenen Wald zurück, um über den Verlust hinweg zu kommen. Vor allem die Frau kämpft mit Schuldgefühlen und Ängsten, die ihr Mann, ein Psychiater, zu therapieren versucht. Doch die Trauerarbeit verläuft nicht nach Plan, statt Versöhnung greift Verzweiflung um sich. Ein verstörender, mit apokalyptischen Bildern aufgeladener Horrortrip in menschliche Abgründe, dessen barock wucherndes Zeichenarsenal eine Vielzahl an Deutungen von psychologischen Lesweisen bis mythologischen Versuchen ermöglicht. (filmdienst)
AWAY WE GO
Mit Anfang 30 stehen Verona und Burt kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. Da Burts Eltern wegen Umzugs nach Europa als fürsorgliche Großeltern ausfallen, beschließt das Paar, ihre Bezugspersonen in den USA zu suchen - bei Freunden und anderen Verwandten. Von Sam Mendes ("American Beauty").
GIGANTE
Ein schüchterner Wachmann eines Supermarktes verliebt sich in eine Putzfrau, die er über seine Monitore bei der Arbeit beobachtet. Da er sie nicht direkt anzusprechen wagt, verfolgt er ihren Alltag über das Überwachungssystem und heftet sich nach Dienstschluss heimlich an ihre Fersen heftet. Humorvoll entwickelte Geschichte über einen wortkargen Sonderling, der durch die Liebe aus seiner Lebensroutine aufgeschreckt wird. Mit viel Gefühl für die sozialen Gegebenheiten inszeniert, formuliert die unterhaltsame Komödie gleichzeitig unterschwellig eine Kritik am wirtschaftlichen Strukturwandel in Uruguay. (filmdienst)
LOUISE HIRES A CONTRACT KILLER
Was tut man mit 20.000 Euro? Man rechne sie in Franc um und engagiere einen Killer, um schurkische nordfranzösische Unternehmer mit mehr Glück als Stil zu beseitigen. Ein grotesk gestrickter Plot bildet die Basis für ein Aufeinandertreffen von noch grotesker gezeichneten Figuren. Ab der ersten Minute will dieser Film alles sein, nur nicht politically correct: Behinderte, illegale Einwanderer, Krebspatienten oder Figuren am Rande jeglicher sozialer Kompatibilität sind nicht nur Zielscheiben, sondern gleichzeitig Akteure einer tiefschwarzen Komödie.
VISION – AUS DEM LEBEN DER HILDEGARD VON BINGEN
Als Äbtissin, Visionärin, Naturheilkundlerin und Komponistin gehört Hildegard von Bingen zu den großen Gestalten des Mittelalters, deren Wirkung bis in die heutige Zeit anhält. Das Porträt überzeugt vor allem in seinen stillen, klaren Momenten, in denen das Werk und die Person Hildegards besonders anschaulich zum Ausdruck kommen. Hier gelingen der Regie beeindruckende Bilder, die in ihrer strengen Komposition perfekt zum Thema passen – ein spannendes Biopic über eine hochaktuelle Frau.

